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Rückblick Party.San 2008 - Ein Tagebuch

Der Donnerstag war zwar kein wirklicher Sommertag, bot aber angenehme Temperaturen und nur wenig Regen. Mittlerweile hat sich der Tag als dritter Festivaltag etabliert, die Bands spielen auf der Hauptbühne und nicht mehr im Zelt. Die Sachsen machen den Opener: Den Jungs von PURGATORY merkt man die Erfahrung deutlich an. Düsteren und anspruchsvollen Death Metal. Auch, wenn noch nicht alle da sind, zeigen die Nossener, warum die aktuelle Scheibe “Cultus Luciferi - The Splendour Of Chaos” dermaßen geil ist. Aber auch die älteren Stücke. Die musikalische Grenze jedenfalls verläuft in Deutschland weiter links, denn so polnisch wie PURGATORY klingen sonst nur Vader und Co. Es ist schon recht voll auf dem Gelände, die Leute interessieren tatsächlich auch schon für den Opener und sorgen für echte Stimmung.

„Black To The Blackness“. Der Songtitel führt eigentlich in die Irre, denn DEADBORN setzen da an, wo PURGATORY aufhören: Technischer Death Metal. Die Band ist gut, das Wetter ist schön, die Party ist in vollem Gange.

FARSOT sind auf CD („IIII“) eine unglaublich intensive und sehr interessante Black-Metal-Band. Lediglich die Performance ist sehr statisch.

SKYFORGER sind leider eine Enttäuschung. Das sehen nicht nur Hardcore-Fans der Balten so, sogar Manager Andy Hopkins betrachtet den Auftritt als massiven Rückschritt und wirklich arme Show. Von ,Nakts Debesu Karakungs' bis ,Tumsa Un Sala' leidet der Auftritt unter dem kurzfristigen Ausfall eines Gitarristen. Das verblieben Trio um Obersympathen Peter müht sich zwar nach Kräften, aber weil auch die folkloristischen Einsprengsel fehlen, können die Letten die vielen Soundlöcher nicht stopfen. Indes: Das Publikum scheint das wenig zu stören, viele feiern die tapferen Trachtenträger dennoch ab.

DISMEMBER hatten sich bereits auf ihrer Tour Anfang des Jahres auf den PARTY.SAN-Gig vorbereitet. Wider Erwarten präsentierten sich die Jungs recht nüchtern. Matti unterhielt das Publikum mit witzigen Ansagen anstatt mit gelallten Witzen und torkelndem Gang. Die Herren Blomqvist und Persson an den Gitarern posten im Hintergrund im die Wette und werden scheinbar immer dünner, im Gegensatz zum Herrn am Mikro. Der bangte derweil wie gewohnt tapsig-knuddelig, wenn er nicht Klassiker Marke „Skin Her Alive“ in die Menge brüllte. Basser Tobias wirkte bei so viel Aktivität fast schon verloren, bangte sich aber durchweg das Hirn aus dem Leib und entpuppte sich als solider Atkviposten. Über Drummer Daun lässt sich das Gleiche sagen, der gute Mann prügelte sich durch den Set. Die Fans dankten es mit bester Laune, die sie sich auch durch das schlechte Wetter nicht vermiesen ließen. DISMEMBER waren der erwartete würdige Headliner und beendeten den ersten PARTY.SAN-Tag würdig.

Party.San 2008 - Freitag, 08.08.2008
DEFLORATION hatten ein sozusagen Heimspiel, Jena liegt ja nicht wirklich weit von Bad Berka weg. Entsprechend gut war der Platz vor der Bühne gefüllt. Mit ihrem an CANNIBAL CORPSE angelehnten Death Metal konnten DEFLORATION sowieso nichts falsch machen – und mit einem symphatischen, kommunikationsfreudigen Frontman wie Uwe läuf ein Gig wie geschmiert. Die Leute fraßen ihm aus der Hand, ließen sich zum Bangen animieren und feierten seine hervorragende Leistung am Mikro ordentlich ab. 45 Minuten lang gab es so vorzügliche Death Metal-Kost auf die Ohren.

TYRANT sahen nicht gerade wie die typischen Bösmetaller aus, gerade die beiden Saitenzupfer wirkten mit ihren Jeansjacken und langen Haaren wie Mitglieder einer Stoner Rockband. Gab es aber nicht, stattdessen gut ein blackmetallisch auf die Glocke, vielleicht noch ein weig CELTIC FROST dazu genommen. Und VENOM. Und überhaupt der ganze 80er-Jahre-Kram. Soundtechnisch waren TYRANT im 21. Jahrhundert angekommen, mit ordentlich Wumms wurde die Retro-Mucke aus den Boxen geblasen. Die ersten Reihen ließen sich vom simplen Charme einwickeln und bangten sich die Rübe weg, weiter hinten ließ die Begeisterung aber spürbar nach. Das dürfte den Nordlichtern herzlich egal sein, Musik wie diese hat immer auch eine „fuck you“-Attitüde in sich. So gesehen war es ein guter, ein authentischer Gig. (lh)

Die Holländer HAIL OF BULLETS hatten mit ihrem Gig nicht allzu viel Glück. Zwar wurden gnadenlose Death Metal-Brummer wie „Ordered Eastward“, „Nachthexen“ oder das geniale „Berlin“ spielerisch tight in die Menge gebolzt, doch machte speziell das Wetter vielen Fans einen Strich durch die Rechnung, denn exakt während der Show meinte ein ungemütlicher Regenschauer, die Party stören zu müssen. Einen kleinen Abzug in der „B-Note“ bekommt die Band für ihre etwas statische Performance. In dieser Hinsicht macht Martin Van Drunen bei ASPHYX einen bissel besseren Job, aber auch „All-Star-Formationen“ müssen sich erstmal dauerhaft einspielen.

Die norwegischen Folk Black Metaller KAMPFAR konnten nach der Grind-Dampfwalze LIVIDITY nicht wirklich viel reißen, da ihre Songs, unter Anderem vom dieser Tage erscheinenden, neuen Album „Heimgang“, für die meisten Leute vor der Bühne nun einfach zu melodisch und hymnisch waren. Da halfen auch die bemühten Anspornrufe von Sänger Dolk nix mehr… KAMPFAR gehören beileibe nicht zu den schlechtesten Vertretern ihrer Zunft, im Gegenteil, aber heute konnten sie nicht wirklich überzeugen.

TYR gehörten zwar einmal mehr zu den Exoten, fanden aber unerwartet viele Sympathisanten. Manchen Leuten mag der epische, etwas behäbige Stil der Band nicht zusagen, aber Songs wie „Raimund Hin Unge“, „Regin Smidur“, „Hail To The Hammer“ oder „The Wild Rover“ entfalteten auch hier ihre folkige Wirkung und wussten selbst dem einen oder anderen Krachfreund zu gefallen.

Mit ihrer Reunion sorgten UNANIMATED Anfang des Jahres für Überraschung, immerhin hat die Band seit dem genialen „Ancient Gods Of Evil“-Album nix mehr von sich hören lassen, mit dem Wegzug von Mastermind Richard Cabeza nach Texas schien sich die Sache erledigt zu haben. Beim PARTY.SAN gab es den ersten Deutschland-Gig, den die Schweden hochmotiviert und vor beeindruckender Kulisse in Angriff nahmen. Der Soundmensch zauberte ihnen den perfekten Sound, durch den die charakteristische Gitarrenarbeit perfekt zur Geltung kam und legte so das Fundament für eine erstklassige Show.


ENDSTILLE sind nicht unbedingt die Lieblinge der vielen Death-Metal-Fans in Bad Berka. Obwohl Iblis (Sven) eigentlich eine mitreissende Performance bietet und wütet wie ein Berserker, kann die Band mich nicht überzeugen. Zu simpel kommt die Mucke daher. Der Gitarrist steht total statisch da und starrt nur auf sein Griffbrett. Da wissen anderen BM-Bands aus Norddeutschland mehr zu überzeugen. Ich habe sowieso den Erfolg dieser Band nie nachvollziehen können. Wahrscheinlich liegt es an ihrem kokettieren mit der Weltkriegsthematik.

Mit sehr gutem Sound ausgestattet legten BLOODBATH los – und der Zuschauer rieb sich die Augen, so routiniert und seelenlos spulten die Schweden ihr Programm runter. Allen voran eben jener Herr Renkse, der sich nicht einmal dazu hinabließ, seine Mähne zu schütteln. Das Gitarren-Duo Nyström und Eriksson bewegte sich zwar etwas mehr und zeigte die ein oder andere Pose, aber auch das wirkte einstudiert und dann routiniert runtergezockt. Einzig Mikael Akerfeldt schien erkannt zu haben, dass der zweite BLOODBATH-Gig in Deutschland überhaupt keine bessere Probe sein sollte und war nicht nur der gewohnt charismatisch-witzige Entertainer, sondern bangte auch, wie er es bei OPETH selten tut. Aber so wirklich konnte er den unmotivierten Eindruck nicht wegmoshen, den seine Kollegen hinterließen. Handwerklich war alles top und mit Songs Marke „Cry My Name“ oder „Eaten“ kann keine Band was falsch machen (das Publikum tickte auch entsprechend aus).
Ich denke es fehlt der Band einfach an Live-Erfahrung. Jedes Mitglied für sich hat ja genug davon. Aber als Einheit haben sie diese einfach nicht. Dennoch ein feiner Gig.

BOLT THROWER müssen nicht weiter vorgestellt werden, so ziemlich jeder PARTY.SAN-Besucher hat eine Scheibe der Briten in seinem Plattenschrank und mit Glück eines der nur auf Shows verkauften Shirts. Die gab es auch vor dem Gig zu kaufen – und der gute Ruf der Band machte sich darin bemerkbar, dass das ganze Merch im Nullkommanix komplett ausverkauft war, immerhin ein ganzes Zelt voll! Mit neuem Shirt am Leib ging es dann für eienn Großteil der Party.Sanen zur Bühne, wo BOLT THROWER mt leichter Verspätung um kurz nach Mitternacht ihren Set begannen. Von der ersten Sekunde an flog die Kuh, egal was die Herren und Damen auf der Bühne zockten. Die bedachten jedes Album der mehr als 20jährigen Badngeschichte mit mindestens einem Song und waltzen im typischen BOLT THROWER-Sound durch die 90 Minuten Spieldauer. Dieser Death Metal-Walze konnte sich niemand entziehen. Das war das erwartete große Kino, für das diese Band schon seit jeher steht.


Party.San 2008 - Samstag, 09.08.2008
INSISION-Shouter Carl brachte sich vor der Show mit ein paar Ohrfeigen in die richtige Stimmung. Das Klatschen war selbst über das Intro zu hören. Es bleibt zu notieren, dass diese Form der Motivation half, Carl legte eine überzeugende Leistung hin und haute seine Texte mit ordentlich Wut in die Menge. Die Ansagen zwischen den Songs waren zwar etwas spärlich, aber das störte die ansehnliche Zuschauermeute nicht sonderlich. FACEBREAKER legten ein deutlich klassicheres Schwedentodbrett hin, hielten damit aber locker im schwedischen Duell des Samstagnachnittages. Mit Sänger Robert hat die Combo einen echten Symphatieträger in ihren Reihen, der sich redefreudiger als Kollege Carl gab und gleichzeitig mit ähnlich brutaler Stimme gesegnet ist. Die nutzte er leidlich aus, um die Nummern des aktuellen Krachers „Dead, Rotten And Hungry“ wie auch die Debütalbum-Songs zu intonieren. FACEBREAKER waren definitiv eine Überraschung des Festivals und dürften so manchen neuen Fan gewonnen haben.

Bei KOLDBRANN ist es hell und warm und früh und der Kopf macht aua. Dennoch quälen sich zig Fans vor die Bühne, um sich die mächtige, norwegische Black-Metal-Harke ins Ohr zu stechen.L. Hektoen ist nach dem Gig sichtlich überrascht, das KOLDBRANN so viel Leute so früh vor Bühne ziehen.

Schön blutig kamen GENERAL SURGERY auf die Bühne, die Schweden hatten deutlich mehr Kunstblut im Gepäck gehabt als ihre Landsmänner BLOODBATH. Schön roh und knarzig legte der Haufen los und zockte mit Spaß in den Backen seinen Set runter. Am Samstagnachmittag funktioniert Grindcore beim PARTY.SAN eigentlich immer und auch heute sollte keine Ausnahme bieten.

Zuletzt hatte ich die WINDIR-Erben VREID 2006 in Wacken bestaunt, wo sie saufett das Zelt in den Staub rockten. Auf dem „Party.San“ war das nicht viel anders, wo sie ihre Vorgängerband auch bei den beinharten Fans für einen Moment lang vergessen machen konnten. Black´n´Roll geht einfach nicht geiler, denn die Band böllerte sich spielfreudig und arschtight durch ihre mittlerweile drei Alben, wobei der Löwenanteil natürlich auf dem aktuellen, wieder genialen Werk „I Krig“ lag.

Die Ostharzer Metalcorler MAROON mögen auf den ersten Blick gar nicht so ins Billing passen. Aber Pustekuchen. Die kleine Rotznase André und seine Freunde sind nicht nur "echte" Metaller, sie packen an diesem Nachmittag auch ihre ganzen harten Sachen aus und beweisen, dass sie mehr Death Metal sind als so manch originärer Act.

LEGION OF THE DAMNED ballern in gewohnter Manier los. Ein ordentlicher Auftritt wie ich finde.

Kaum eine andere Band des Festivals fuhr ein solch brachiales Brett auf wie die Polen BEHEMOTH! Zu später Stunde legten sie das Festival mit Black Metal-Granaten der Marke „Christgrinding Avenue“, „At The Left Hand Ov God“ oder „Demigod“ in Schutt und Asche. Es ist echt erstaunlich, welch hohes technische Level diese Band inzwischen erreicht hat, denn Soundlöcher suchte man in der gnadenlosen Wand vergeblich. Frontmann Nergal spielte auf der Bühne erstmal Reißwolf und führte ein Neues Testament der Entsorgung zu, aber allzu sehr christlich schien das Publikum nicht drauf zu sein und reagierte weniger empört denn ebenfalls begeistert von der geilen Performance, die zu den intensivsten gehörte, die ich jemals auf dem „Party.San“ sehen durfte. Danach hatten es die deutlich gemächlicher aufspielenden OBITUARY sichtlich und hörbar schwer, da noch einen draufzusetzen.

OBITUARY. Als Headliner waren John Tardy und Co. zwar kein Griff in die Schüssel, aber ein wenig mehr Exklusivität für einen Headliner wäre an diesem Tag wünschenswert gewesen, da die Götter BOLT THROWER am Vortag eine Steilvorlage par excellence geboten hatten, die OBITUARY einfach nicht mehr toppen konnten. Nach einem irgendwie vorhersehbaren, netten und in meinen Augen „nur“ routinierten Gig und dem üblichen „Slowly We Rot“ war dann zudem rein gefühlt sehr früh Feierabend.
Aber auch hier muss man wieder den Soundleuten ein Kompliment machen.
Wenn der Sound nur auch in Wacken immer so gut wäre.

Das war es also. Mein erstes mal PARTY SAN.
Von Anfang an wusste dieses Festival zu überzeugen. Hätten wir nich uns einen Camping-platz direkt neben den Stromgeneratoren des Festivals gesucht und wären nicht meine unsäglichen Rückenschmerzen gewesen, so wäre es nahezu als perfekt einzustufen.
Wenn alles klappt werde ich auch 2009 wieder dabei sein.


 


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