
(CIS-intern) – 17 Städte, Kommunen, Verbände und Gesellschaften aus Schleswig-Holstein haben am 15.04.2026 in Strande feierlich den Gesellschaftsvertrag zur gemeinsamen Entsorgung von Klärschlamm unterzeichnet und die Klärschlamm-Kooperation Schleswig-Holstein GmbH (KKSH) gegründet. Die Gesellschafter der KKSH vertreten mit 830.000 Einwohner*innen rund ein Drittel der Bevölkerung von Schleswig-Holstein. In den Kläranlagen des Einzugsgebiets fallen jährlich ca. 71.000 t Klärschlamm an. Das sind rund 85 KG pro Einwohner und Jahr.
Die Verwertung dieses Reststoffes der Abwasserbeseitigung stellt die Kläranlagenbetreiber vor große Herausforderungen. Durch die Novellierung der Klärschlammverordnung im Jahr 2017 steigen die Anforderungen erheblich. Ein besonderer Knackpunkt ist das geforderte Phosphor-Recycling ab dem Jahr 2029, das den wertvollen Rohstoff aus der Abwasserreinigung in den Stoffkreislauf zurückführen soll. Mangelnde technische Kapazitäten (in Norddeutschland) führten zur Erkenntnis, dass diese Herausforderung am effektivsten in einer Gruppe zu bewältigen ist.
Die Kooperation startet nun die europaweite Suche nach einem geeigneten Entsorgungsunternehmen Die gemeinsame Entsorgung ist ab dem Jahr 2029 vorgesehen und wird mindestens bis Ende 2048 andauern. Durch diese langfristige Beauftragung entsteht für potenzielle Entsorger ein attraktiver und planungssicherer Auftrag, der Investitionen in Infrastrukturen ermöglicht. Gleichzeitig profitieren die Bürgerinnen und Bürgern von stabileren und verminderten Kosten, da die langfristige Kalkulationssicherheit preisdämpfend wirkt.
In den Gremien der Kooperationspartner wurde das Gesamtkonzept nahezu durchgängig einstimmig beschlossen. Damit sind fast alle Kommunen im nord- westlichen Schleswig-Holstein in der Klärschlamm-Kooperation Schleswig-Holstein GmbH zusammengeschlossen. Alle Beteiligten verfolgen ein gemeinsames Interesse: Eine günstige und nachhaltige Klärschlammentsorgung. Die Höhe der Beteiligung richtet sich nach der jeweils anfallenden Klärschlammmenge. Zudem konnten alle Kooperationspartner individuell festgelegen, mit welchen Mengen und zu welchem Zeitpunkt sie in die Zusammenarbeit einsteigen.
Klaus Reichel, bisheriger Leiter der Kläranlage der Landeshauptstadt Kiel und zukünftiger Geschäftsführer der KKSH, dankte im Rahmen der Unterzeichnung den vielen beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kooperationspartner. Sie haben in den Projektgruppen und in den Verwaltungen viel geleistet. Die Anforderungen und das Projekt wurden immer wieder an die neuen Erkenntnisse aus Technik, Recht sowie Markt und an die Wünsche aus den Kommunen angepasst, so dass heute mit einem stimmigen Konzept die Grundlage für die umfassenden Gesellschafts- und Kooperationsverträge gelegt wurde! Eine Bündelung von 17 Kommunen mit den resultierenden enormen Synergieeffekten schien anfangs schwierig – ist uns aber gelungen. Das Konzept sieht eine langfristige Entsorgungssicherheit, Solidarität, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit vor. Die Kooperation wird keine Gewinne erwirtschaften und so die Abwassergebühren im Norden niedrig halten. Die vorbereitenden Arbeiten wurden wurde maßgeblich auch von den Mitgliedern des zukünftigen Beirats erarbeitet. Der Dank gilt Ingo Kühl – Fachdienstleister des Technischen Betriebszentrums Neumünster, Jens Eggers vom Technischen Betriebszentrum Flensburg, Stefan Buche – Betriebsleiter der Abwasser- beseitigung Rendsburg; Michael Schoop vom Wasserverband Norderdithmarschen sowie Christian Hartwig – Abteilungsleiter bei der Landeshauptstadt Kiel. Ein besonderer Dank ging auch an Frau Dr. Nina Gerlach, die als externe Projektleiterin in der Gründungsphase fungierte. Das Arbeitsgremium wurde durch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit getragen. Alle haben ihr Fachwissen und ihre Erfahrung in den Dienst der Sache gestellt. Diskussionen wurden auf Augenhöhe zwischen großen und kleinen Kooperationspartnern zielorientiert und von gegenseitigem Respekt geführt. In diesem Sinn soll auch die weitere Arbeit auf viele Schultern Norden vertrauensvoll verteilt werden, um das Ziel der sicheren, nachhaltigen und wirtschaftlichen Entsorgung von Klärschlamm gemeinsam zu erreichen.
Die eigentliche Arbeit beginnt nun erst recht. In intensiven Arbeitssitzungen wurde eine Vorstudie zu den Randbedingungen einer Ausschreibung erarbeitet, die vom Technischen Betriebszentrum Flensburg in die Kooperation eingebracht wird. Zudem wurden die Klärschlämme der Kooperationspartner untersucht, um eine sichere Datenbasis zu haben. Die Kooperation plant die europaweite Suche nach einem Entsorgungsunternehmen noch im Jahr 2026 zu beginnen. Der entsprechende Beschluss soll im Rahmen einer weiteren Gesellschafterversammlung gefasst werden.
Die KKSH schafft durch die Bündelung der Menge sowie die geplanten langen Vertragslaufzeit von 20 Jahren ab dem Jahr 2029 attraktive Rahmenbedingungen für Investitionen in neue Anlagen. Gleichzeitig spricht dies aber auch Entsorger an, welche Mengen über mehrere Anlagen verteilen können bzw. wollen. Die Kooperation wird nach Identifikation der Entsorgungsanlage(n) im Anschluss die Transporte ausschreiben. Die Kosten für den Transport werden solidarisiert zwischen den Kooperationspartnern. So kann bei der Auswahl des Entsorgungspartners die objektiv logistisch günstigste Lösung Vorteile bei der Auswahl bringen. Die gemeinsame Entsorgung beginnt 2029. Zu diesem Zeitpunkt werden dann ca. 48.000 t Klärschlamm gemeinsam verwertet. Diese Menge steigt sukzessive bis am 01.01.2031. die Gesamtmenge von ca. 71.000 t Klärschlamm zu entsorgen ist. Die gemeinsame Verwertung dauert dann mindestens bis Ende 2048.



