Verändert sich der Musikgeschmack mit zunehmendem Alter?

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Redakteur
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(Werbung) – Die Explosion des Musikkonsums im letzten Jahrhundert hat „was man hört” zu einem wichtigen Persönlichkeitskonstrukt gemacht – sowie zur Wurzel vieler sozialer und kultureller Stämme. Für viele Menschen ist ihre Selbstwahrnehmung eng mit musikalischen Vorlieben verbunden, was man auch an den ganzen genretypischen Subkulturen sieht, die sich regelrecht um bestimmte Musikrichtungen formen können. Doch unser Musikgeschmack ist keineswegs so rigide, wie es solche Konstrukte vermuten lassen würden. Mit zunehmendem Alter verändert er sich, wird tendenziell „weicher“. Da erwischt sich auch so manche hartgesottene Lederkutte dabei, wie irgendwann der Finger zum Schlagerlied auf der Tischplatte mit tippt.

Rebellisch und doch angepasst – Musik als Ausdruck von Jugendkultur

Eine neue Studie legt nahe, dass unsere Auseinandersetzung mit Musik allgemein zwar ab- oder zunehmen kann, Musik für uns aber meist wichtig bleibt, wenn wir älter werden. Aber die Musik, die wir mögen, passt sich an die jeweiligen „Lebensherausforderungen” an, mit denen wir in verschiedenen Phasen unseres Lebens konfrontiert sind. In jungen Jahren sind wir dementsprechend empfänglich für rebellische und aggressivere Musikrichtungen und durch unsere Suche nach der eigenen Identität sind wir viel mehr auf Tuchfühlung mit jeweils aktuellen Musiktrends. Daher weisen viele angesagte Musikrichtungen auch immer viele Überschneidungen mit der jeweiligen Jugendkultur auf. Erst ab beginn bis Mitte der 30er verflacht unser Interesse an „angesagter“ Musik und verfestigt sich anderweitig.

Diese Konstellation erklärt auch, warum fast alle Menschen die angesagte Musik, die während ihrer jungen Jahre vorgeherrscht hat, romantisch verklären und dem „Zeug von heute“ weniger bis nichts abgewinnen können. Das hat aber nicht notwendigerweise etwas mit Qualität zu tun. Es ist viel mehr Ausdruck eines verflachenden Interesses an Mainstream Musik, das fast jeder durchmacht – und entsprechend einordnet und bewertet.

Altersmilde macht interessiert

Das heißt nun nicht, dass unser Musikgeschmack rigider wird, wenn wir älter werden. Im Gegenteil! Oftmals beginnen wir uns plötzlich für Musikrichtungen zu interessieren, die wir früher auch schon kannten, aber nie beachtet haben. Und gerade bei den heutigen Möglichkeiten,ist der Begriff der „Mainstream“ Musik sowieso wesentlich unschärfer geworden.

Auch im fortschreitenden Alter soll Musik soziale und psychologische Bedürfnisse erfüllen. Anstatt mit Identität zu experimentieren und uns selbst zu definieren, dient Musik später als kontemplativer Ausdruck unseres Intellekts, Status und größeren emotionalen Verständnisses. Da wird dann auch mal der Techno von einst, bei einem Orchester Konzert in Leipzig, klassisch neu interpretiert. Hört sich doch gut an!

Bild von jacqueline macou auf Pixabay

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